Vogel des Jahres 2009
D'Kréchel : Vogel des Jahres 2009
Der Turmfalke (Falco tinnunculus) zählt zu den häufigsten Greifvögeln Luxemburgs. Diesen sehr wendigen Jäger kann an oft bei seinem Rüttelflug beobachten, bei dem er schnell mit den Flügeln schlagend in der Luft steht. Dabei hält er nach Beute Ausschau. Oft lässt sich der Greifvogel auf hohen Ästen, auf Leitungen bzw. Leitungsmasten nieder und kann entlang von Verkehrswegen angetroffen werden. Die nahen Verwandten Merlin, Baumfalke und der seltener vorkommende Wanderfalke gehören ebenfalls der Falkenfamilie an.
Das Männchen besitzt ein rotbraunes Gefieder mit schwarzen Flecken, sowie einen hellgrauen Kopf. Die Unterseite ist hell und nur sehr leicht bräunlich gefleckt oder gestreift, während seine Füsse und der Umriss der Augen gelblich sind. Das Weibchen dagegen ist etwas größer als das Männchen; am Rücken sowie auch auf der Unterseite ist es dunkler als das Männchen und weist eine stärkere Fleckung auf. Das Gefieder variiert von hell- bis dunkelbraun. Charakteristisch zur Erkennung des Turmfalken sind neben dem Erscheinungsbild auch seine « ki-ki-ki… » Rufe.
Der Turmfalke nistet zum Teil in alten Gebäuden, in Felswänden oder in hohen Bäumen. Er selbst baut keinen Horst sondern nutzt z.B. verlassene Nester von Krähenvögeln. Gerne nimmt der Turmfalke auch speziell für ihn angebrachte Nistkästen an.
Am Ende des Winters, im März, beginnt die Brutzeit des Turmfalken mit auffälligen Balzflügen. Ab dem Moment der Eiablage aber verhalten sich die Turmfalken unauffälliger. Das Weibchen legt im April 2-6 rot-braun gefleckte Eier im Tagesabstand von 2 bis 3 Tagen. Die Brutzeit dauert ungefähr 28 Tage und das Bebrüten der Eier wird überwiegend vom Weibchen übernommen. Das Männchen versorgt das Weibchen währenddessen mit Nahrung.
Bei der Geburt sind die jungen Turmfalken mit einem weißen Daunenkleid überdeckt, später nach 20 Tagen ist das Gefieder komplett, zeigt aber noch ein paar Spuren des Daunenkleides. Das Jugendkleid ist überwiegend bräunlich gefärbt und gleicht somit dem des weiblichen Turmfalken.
Als geübter Jäger ernährt er sich größtenteils von kleinen Nagetieren. Er erbeutet aber auch Insekten, Amphibien sowie kleine Vögel. Turmfalken nutzen extensiv genutztes Grünland, Ödland und Ackerrandstreifen als Jagdgebiet; in Städten jagen sie überwiegend in Gärten, Parks, Friedhofsanlagen, sowie an Sportplätzen.
Die meisten Turmfalken sind Standvögel, besonders aber Populationen aus nördlichen Gebieten ziehen im Winter in wärmere Gebiete. Bei längeren Frostperioden und tiefen Temperaturen kann es im Winter zu hohen Verlusten kommen, da die Nahrung dann für den Turmfalken nur schwer erreichbar ist.
Ähnlich wie bei vielen Vogelarten, ist der Bestand des Turmfalken auch direkt vom Menschen bedroht. Dieses in ganz Europa beobachtete Phänomen wurde größtenteils durch den Verlust von extensiv genutztem Grünlandflächen, die in intensiv genutzte Agrarflächen umgewandelt wurden, ausgelöst. Dazu kommt, dass viele Brutplätze an Scheunen oder alten Gebäuden verloren gehen und dass viele Kirchtürmen zur Abwehr von Tauben zugegittert werden und für Turmfalken nicht mehr zugänglich sind. So wurde der Turmfalke mehr und mehr Opfer eines sich stetig vorantreibenden Wandels unserer modernen Gesellschaft.