Vogel des Jahres 2008
Die Schleiereule
Vogel des Jahres 2008
Die „Tureil“ (lux.)
Als Kulturfolger ist die Schleiereule in sozusagen allen Ortschaften (auch Weilern und isoliert gelegenen Bauernhöfen) sowie in den Städten (Randgebiet) anzutreten. Besiedelt werden (Kirch)türme, Scheunen, Speicher, nicht mehr benutzte Räucherkammern, Taubenschläge, altes Gemäuer, Burgruinen, verlassene Stollen ehemaliger Eisenerzgruben. Nistgeräte werden gerne angenommen. Sie ist ziemlich gleichmäßig über das ganze Land verbreitet. Allerdings ist die Population des Öslings klimatisch benachteiligt, da hier öfter und länger als im Gutland eine geschlossene Schneedecke die Mäusejagd auf der freien Flur erschwert. Sie ist somit größeren Schwankungen unterworfen und wird in strengen Wintern stärker dezimiert
Je nach Nahrungsangebot (bes. Feldmausvorkommen) brütet die Schleiereule meist ein-, seltener zweimal jährlich. Auch der Zeitpunkt der Brut richtet sich hiernach. Während in manchen Jahren die ersten Eier bereits sehr früh im März/April gelegt werden, erfolgt die Eiablage in anderen Jahren erst im Mai/Juni, u. U. sogar noch später. Der Bruterfolg ist unterschiedlich und eng an das Nahrungsvorkommen (oft in Verbindung mit der Witterung) gekoppelt. In ungünstigen Jahren (Zusammenbruch der Feldmauspopulation im Laufe der Brutzeit) überleben von den geschlüpften Jungvögeln oft nur einer oder zwei.
Wie alle Eulen ist auch die Schleiereule hervorragend an die nächtliche Lebensweise angepasst. Da die Handschwingen am Außenrand gezähnt sind, können die Eulen lautlos fliegen (Federkamm). Das ist sehr wichtig, da die Beutetiere mit den Ohren geortet werden. Bei der Lokalisierung der Beutetiere spielt der Gesichtsschleier eine wichtige Rolle, denn er leitet die Schallwellen an die Ohren weiter. Die Augen der Schleiereule sind ebenfalls sehr gut an die ungünstigen Lichtverhältnisse angepasst. Aber auch bei Tageslicht können Eulen sehen, sie sind also keineswegs blind wie oft behauptet wird.
Schleiereulen bleiben normalerweise das ganze Jahr in ihrem Revier. Beim Zusammenbruch der Feldmauspopulation kommt es jedoch zur Abwanderung von größtenteils Jungvögeln. Meist werden nur kleinere Strecken zurückgelegt (weniger als 500 km). Den Rekord hält eine in Biwer geborene Schleiereule: sie flog 1796 Kilometer bis nach Südspanien.
Eulen verschlucken ihre Beutetiere meist unzerkleinert (die modernen Vögel haben keine Zähne mehr). Die unverdaulichen Teile der Nahrung (Haare, Federn, Knochen, Insektenpanzer) werden nach einigen Stunden als Gewölle (auf luxemburgisch „Eilekatz“ genannt) herausgewürgt. Die Untersuchung der Gewölle ergab folgenden Speiseplan der Schleiereule: hauptsächlich Wühl- und Echte Mäuse, aber auch Spitzmäuse (die von anderen Eulen verschmäht werden) und Singvögel. Gelegentlich werden aber auch noch Fledermäuse, Frösche und Insekten gefressen. Ihre Nahrung findet die Schleiereule vor allem in der offenen, gut strukturierten Landschaft, aber auch in Dörfern und Wäldern unternimmt sie ihre Jagdflüge.
Durch das Vergittern der meisten Kirchtürme sowie das Abdichten von Luken (Rückgang der landwirtschaftlichen Betriebe!) wurden in der Vergangenheit der Schleiereule so manche Brutmöglichkeiten genommen. Der Bestand, zusätzlich belastet durch Unfälle (Autoverkehr, elektrische Leitungen) und Pestizide (Eieranalysen ergaben z.T. hohe Rückstände), sank. In den letzten zehn Jahren konnte er jedoch durch Absicherung bestehender Brutplätze und Neuansiedlung in Nisthilfen etwas stabilisiert werden. Trotzdem ist die Art weiterhin auf der Roten Liste aufgeführt.
